Erste Erfahrung mit KNX in Verbindung mit Loxone 7

KNX ETS Geräteprogrammierung

Die Grundvoraussetzung für die KNX Programmierung ist die Software ETS. Ich setze die Version ETS 4.1.8 ein. Diese gibt es in einer kostenlosen Test-/Demoversion, jedoch kann mit dieser nur ein Projekt mit maximal drei KNX Geräten erstellt werden. In den meisten Projekten sind allerdings mehr Geräte im Einsatz. Die nächst höhere Version ist die ETS Light (maximal 20 KNX Geräte; zum Vergleich wir haben genau 20), diese ist entweder käuflich für ca. 100 Euro erhältlich, oder kostenlos, wenn man vorher den bei der KNX Akademie kostenlosen und unendlich wiederholbaren Test durchführt und besteht (KNX ETS4 eCampus). Dazu ist es notwendig sich bei dieser Lern-/Testplattform und im Shop (KNX Onlineshop) zu registrieren. Dabei muss man sicherstellen, dass man sich bei beiden Seiten mit den selben Daten registriert, da die Lizenz nach dem erfolgreichen Bestehen anhand der Stammdaten in den Shopaccount eingetragen wird. Um die Fragen beantworten zu können bietet es sich an, sich über die Grundlagen vorab zu informieren. Dazu gibt es im Netz einige kostenlos zur Verfügung gestellte E-Books (Grundlagenwissen zum KNX Standard, ETS Tutorial – nur noch auf Anfrage siehe Link). Aber die Fragen sind nicht kompliziert und man kann den Test unendlich wiederholen und bekommt auch die richtigen Antworten bzw. Korrekturen direkt nach dem Testabschluss angezeigt.

Wenn man nun mehr als 20 KNX Geräte hat, muss man aber trotzdem nicht zwingend die teure (ca. 1000 Euro) Vollversion kaufen, sondern kann seine Geräte auf mehrere ETS Projekte aufteilen. Die Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit leidet dann darunter etwas. Da aber die komplexere Logik im Normalfall nur in Loxone programmiert wird, ist dieser Punkt zu vernachlässigen.

Für die ETS Software ist ein Windows System notwendig und es sollte nicht ein ganz so leistungsschwacher Rechner sein. Des weiteren braucht man zum Start die sogenannten Produktdatenbanken der eingesetzten KNX Komponenten. Diese bekommt man üblicherweise als Download auf der Herstellerseite der Komponenten. Beispielsweise bei MDT sind diese auf folgender Seite zu finden: MDT Produktdatenbanken. Diese Datenbanken müssen dann initial in das ETS Projekt importiert werden. Teilweise sind Geräte in verschiedenen Revisionen/Versionen hergestellt worden (nicht zu verwechseln mit der ETS Version). D.h. beim Download sollte man auf die korrekte Version achten. ETS3 Datenbanken können in der ETS4 auch verwendet werden, sofern es keine neueren Dateien vom Hersteller gibt.

Zur Verbindung der ETS Software mit dem Loxone KNX Gateway war zumindest bei mir nichts zu tun, da die ETS die Loxone automatisch im Netzwerk gefunden und als Standardverbindung registriert hatte. Manchmal ist es jedoch notwendig die Verbindung noch unten in der Statusleiste nochmals auszuwählen falls es initial zu einem Verbindungsfehler kommt. Ansonsten hatte ich im Großen und Ganzen keine Probleme mit der Verbindung zum Loxone KNX Gateway, egal ob über die Loxone Konfigsoftware bereits eine Verbindung zur Loxone hergestellt war.

ETS: Programmierung der physikalischen Adresse

Jedes KNX Gerät egal ob Schaltaktor im Schaltschrank oder Bewegungsmelder an der Decke im Wohnzimmer benötigt eine physikalische Adresse. Dazu ist es notwendig zunächst jedes Gerät aus der Produktdatenbank zu der KNX Linie hinzuzufügen:

  1. (optional) im Topologie Fenster im Hauptbereich eine neue Linie über „Linien hinzufügen“ z.B. 1.1 anlegen, wenn noch nicht vorhanden
  2. Linie 1.1 auswählen und über „Gerät hinzufügen“ Geräte Fenster „Kataloge“ öffnen
  3. Entsprechend Hersteller und Produkt wählen (auf genaue Gerätebezeichnung achten). Gerät per Drag’n’Drop auf die Linie ziehen, wodurch das Gerät automatisch als Unterelement hinzugefügt wird
  4. (optional) Namen und Physikalische Adresse (1.1.xxx) nach Belieben anpassen

Danach kann man bereits die physikalische Adresse programmieren, standardmäßig vergibt ETS schon automatisch aufsteigend eine Adresse. Diese kann man so belassen oder wie wir noch die einzelnen Gerätegruppen in unterschiedliche Nummernbereiche einteilen. Der erste Teil der Adresse bezeichnet die KNX Linie und muss für alle Geräte identisch sein. Pro KNX Linie sind maximal 255 Geräte möglich (nach Hinweis von Sascha: ab 65 Geräte ist ein Linienverstärker nötig, bzw. alle 64 Geräte zusätzlich jeweils einer). Zum Start der Programmierung muss das Gerät in den Programmiermodus versetzt werden. Dazu schaut man in der Gebrauchsanweisung nach. In den meisten Fällen geschieht dies entweder über das Drücken eines speziellen Knopfes an der Unterseite (z.B.Taster) bzw. Oberseite (Schaltaktor) des Geräts. Oder über einen Magneten, der nah an eine bestimmte Stelle gehalten wird (z.B. Bewegungsmelder, Wetterstation).  Dadurch ist es möglich auch ohne Ausbau der Geräte eine nachträgliche Programmierung vorzunehmen. Im Programmiermodus kann man dann in der ETS Software die physikalische Adresse eintragen lassen:

  1. Gerät in der Topologie auswählen
  2. im Menü oben „Inbetriebnahme“ > „Programmieren“ > „Physikalische Adresse“ auswählen
  3. Gerät in den Programmier-Modus versetzen und abwarten bis Operation erfolgreich durchgeführt (im Normalfall 5-30s)

ETS Gruppenadressen & Konfiguration

Nach der Programmierung der physikalischen Adresse kommen wir zur für Loxone wichtigeren Konfiguration der Gruppenadressen. Jede Funktion wird auch später von Loxone aus über eine separate Gruppenadresse angesprochen. Bei den Gruppenadressen lohnt es sich dagegen schon eher eine gewisse Struktur von Anfang an einzuhalten. Wie die physikalischen Adressen besteht die Gruppenadresse aus drei Zahlen. Die erste Zahl benutze ich für die Geräteart (1=Taster, 2=Sensoren/Bewegungsmelder, 3=Schaltaktoren), die zweite Zahl für das Stockwerk (1=EG, 2=OG, 3=DG, 4=Außen), die dritte Zahl für das einzelne Gerät bzw. Funktion (beispielsweise einzelne Tasten, Helligkeitswert, Bewegungsmelder). Zur Programmierung der Gruppenadressen überträgt man das Applikationsprogramm an das jeweilige Gerät. In diesem Fall ist es nicht notwendig das Gerät zuvor in den Programmiermodus zu versetzen, so dass eine Änderung jederzeit direkt am PC über die Netzwerkverbindung möglich ist.

  1. Gerät in der Topologie auswählen
  2. (optional) Gerät konfigurieren: Gerät in der Topologie auswählen und rechts über den Reiter „Parameter“ die Konfiguration vornehmen.
    1. Tipp für Loxone-Integration: einfachste Konfiguration wählen und Verarbeitung komplett in der Loxone steuern. Bei Tastern z.B. „Zustand senden“, bei Schaltaktoren „Schaltausgang“
  3. (optional) Funktion über Gruppenadresse bekannt machen
    1. (optional) neue Haupt-/Mittelgruppe und/oder Gruppenadresse anlegen
    2. Kanal unterhalb des zu programmierenden Geräts entsprechend auswählen und per Drag’n’Drop auf die neu angelegte Gruppenadresse ziehen. Bei Tastern z.B. „Taste x: Schalter“, bei Schaltaktoren „Kanal x: Schalten EIN/AUS“
  4. im Menü oben „Inbetriebnahme“ > „Programmieren“ > „Applikationsprogramm“ auswählen und abwarten bis Operation erfolgreich durchgeführt (im Normalfall 10-180s)

ABB KNX Konzentrator

Bei der Vorbereitung und Einrichtung des ABB KNX Konzentrators muss beachtet werden, dass dieser über Minus statt wie üblicherweise bei Tastern mit Plus schaltet. D.h. die daran angeschlossenen Taster müssen separat gebrückt werden und sollten deshalb auch optimalerweise bei den Klemmen zur besseren Unterscheidung gruppiert werden. Wir haben jetzt im Schaltschrank diese teilweise gemischt und überlegen noch, ob wir im Schaltschrank Taster zwischen den Loxone-Eingängen und dem Konzentrator tauschen. Den ABB Konzentrator verwenden wir aktuell allein für Taster-Eingänge.

7 thoughts on “Erste Erfahrung mit KNX in Verbindung mit Loxone

  1. Antworten Sascha Strasser Mai 28, 2014 18:18

    Hi,

    eine kleine Anmerkung. 255 Geräte pro Linie sind nur über Linienverstärker möglich. Wobei der Linienverstärker ebenfalls als Gerät zählt. Bei Vollausbau mit 255 Geräte werden 3 Linienverstärker benötigt.

    Wie verwendet denn die Loxone die Status Gruppenadressen in Kombination mit der Visualisierung?

    Bei mir werkelt ne SPS als „Aktor“ mit KNX. Die KNX Integration bei Loxone wird da wohl etwas komfortabler sein.

    Viel Spaß damit

    Gruß

    Sascha

    • Antworten Gerrit Mai 28, 2014 19:11

      Danke für den Hinweis, habs oben entsprechend ergänzt.

      Bei Loxone gibt es spezielle KNX Software Bausteine (EIB-Taster, -Dimmer und -Jalousie), die einen zusätzlichen Status Eingang haben, wenn man eine Statusänderung ohne nochmalige Änderung am Ausgang ausführen möchte. Den benutze ich aktuell noch nicht, da ich auf direkte Aktionen im KNX Applikationsprogramm verzichtet hab und ausschließlich alle Änderungen über Loxone ausführe. Das vereinfacht die Programmierung mit Loxone, da man sich dann über KNX Besonderheiten keine Gedanken machen muss und alle Logik an einer Stelle hat (in der Loxone Konfiguration). Man muss nur z.B. bei der Einstellung bzgl. Zustand nach Busspannungswiederkehr o.ä. drauf achten, dass KNX und Loxone synchron bleiben. Dies kann entweder dadurch erreicht werden, dass auch die Loxone Bausteine mit einer entsprechenden „Memory“-Funktion konfiguriert werden, oder aber man lässt Loxone den Status zyklisch abfragen. Aber das sollte ja auch eher selten auftreten.

  2. Antworten Michael Jun 28, 2014 23:34

    Hallo Gerrit,
    vielen Dank für dein Tutorial! Noch eine Frage zu deiner Verdrahtung: Laut Kabelliste gehst du von deinem 24V-Netzteil (TDK Lambda DSP 100-24) auf den EIBMARKT SB640 Strombegrenzungsbaustein. Da die nachgelagerte KNX-Drossel laut Datenblatt 28-30V benötigt interessiert mich wie du das gemacht hast. Vor allem da du mit dem gleichen Netzteil ja auch noch deine Loxone-Extentions versorgst und die laut Datenblatt 24V ohne Toleranzangabe benötigen.
    Gruß Michael

    • Antworten Gerrit Jun 29, 2014 12:55

      Zum einen ist der EIB/KNX standard ja etwas flexibel, was die Spannung angeht: Eine Toleranz von 8V +/- ist noch i.O. (hauptsächlich um Problemen bei langen Leitungslängen vorzubeugen). Zum anderen wurde in diesem Zusammenhang auch immer die Siemens Drossel empfohlen, so dass ich hier von einer Kompatibilität ausging. Hatte hier nicht im Datenblatt nachgeschaut.
      Habe bisher auch keine Probleme festgestellt und auch andere hatten diese mit 24V Netzteilen jahrelang in Betrieb. Wenns Probleme gibt kann man sich noch ein separates Netzteil kaufen.

  3. Antworten Hans Gruber Aug 17, 2014 18:29

    Statt Strombegrenzungsbaustein habe ich eine Schmelzsicherung mit <640mA (in einem Halter, der via LED eine defekte Sicherung anzeigt) nach dem Netzteil verbaut.
    Ist weitaus günstiger und funktioniert…der erste Kurzschluss (beim Abisolieren verursacht) ist schon überstanden (Achtung, niemals unter Netzspannung Arbeiten, Anlage immer vom Netz trennen!).
    So wurde auch gleich das Verhalten bei Busspannungsausfall geprüft 😉

  4. Antworten Thomas Feb 20, 2015 21:57

    Hi Gerrit,

    ich lese jetzt schon seit ein paar Tagen Deine ganzen Beitrage und Dein Blog ist an vielen Stellen eine echte Hilfe. Die ganzen Loxone Seiten, inkl. des Forums sind gerade im Bereich KNX nicht so hilfreich – geschuldet das Loxone KNX eher „verhalten“ gegenüber steht.

    Egal, ich würde auch gerne KNX Sensoren und Aktoren verwenden. Diese aber erstmal „dumm“ Konfigurieren, so das die Loxone die gesamte Logik beinhaltet. Ich werde 7 Sensoren und 4 Aktoren haben. Meine Frage ist wie diese an die Loxone angebunden werden? Muss da noch einen Linienkoppler zwischen? Wie hast Du Deine Spannungsversorgung dazwischen gehangen? Die beiden Fragen sind mir in Verbindung mit der Loxone noch unklar.

    /Thomas

    • Antworten Gerrit Feb 21, 2015 14:55

      Linienkoppler benötigt man frühestens ab 50 Geräte aufwärts und dann auch nur wenn man mehrere KNX Spannungsversorgungen einsetzt. Das wird wohl bei dem typischen KNX-Loxone EFH nie vorkommen (liege aktuell bei 21 KNX Geräten und da kommen maximal noch 2-3 Aktoren dazu).
      Die Verkabelung und Spannungsversorgung der KNX Geräte bei uns siehst du am besten in der Übersicht, die ich online gestellt habe. Das 24V Netzteil für Loxone verwende ich auch für KNX (KNX hat einen Toleranzbereich von 8V +/-. Dazu benötigt man nur ein Strombegrenzungsbaustein und eine KNX Drossel (24V -> Strombegrenzung -> Drossel -> KNX Bus). Wenn man möchte kann man später immer noch ein separates Netzteil vor die beiden Bausteine einsetzen. An die Drossel wird dann der KNX Bus angeschlossen, bzw. alle KNX Geräte (auch der Miniserver). Alternativ kann man sich auch ein spezielles KNX Netzteil holen (statt 24V-Netzteil, Strombegrenzung & Drossel).

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