Plus-Energie-Haus und warum wir keine Nahwärme abnehmen

Mancher Leser und Kenner des Baugebiets „Knielingen 2.0“ wird sich wundern, warum wir eigentlich bei einem KfW 5540-Haus eine Wärmepumpe statt des geforderten Nahwärmeanschlusses eingeplant haben. Denn laut Grundstücks-Kaufvertrag ist erstmal nur ein Passivhaus von dieser Regelung befreit. Hier geht man davon aus, dass ein Passivhaus nach dem Grundsatz keine Heizung benötigt und damit auch keine Nahwärme. Ganz korrekt ist dies ja nicht bzw. in der Praxis ist auch ein Passivhaus ohne Heizung eine Seltenheit.

In den letzten Jahren wird aber statt des Passivhauses immer mehr der Begriff „Plus-Energie-Haus“ bzw. „Effizienzhaus Plus“ diskutiert. Das geht soweit, dass es bundesweite Projekte gibt, wofür auch u.a. Unterstützung vom Bund beantragt werden konnte. Jedoch waren diese Angebote sehr schnell vergriffen. In einem dieser Projekte wurden konkrete Anforderungen auf Grundlage der EnEV festgelegt. Konkret sehen diese vor, dass sowohl der Jahresprimärenergiebedarf als auch der Jahresendenergiebedarf gegen die Leistung einer PV Anlage gegengerechnet werden soll. Hierzu werden die Bedarfs-Werte anhand der eingesetzten Technik entsprechend in kWh umgerechnet. Dazu kommt noch ein Pauschale von 2500 kWh für den Haushaltsstrom. Die Summe kann dann einfach wieder mit dem prognostizierten Ertrag der PV Anlage gegengerechnet werden. Das Ziel ist ein rechnerischer Überschuss an Energie.

Da für uns der Gedanke des selbst versorgenden Haus sehr interessant war und ist, wir uns nicht an einen Energie-Lieferanten für längere Zeit binden wollten, aber gleichzeitig die Kosten für ein Passivhaus etwas scheuten, war die Idee geboren mit einem Energie-Plus Haus die Nahwärme-Befreiung zu erreichen. Zwar ist die komplette Selbst-Versorgung noch Utopie, aber u.a. auch weil die dafür notwendigen Batterie-Speicher bei Einfamilienhäusern noch in den Kinderschuhen stecken. Da aber auch die EnEV für Neubauten immer weiter verschärft wird, kann hier in den nächsten Jahren einiges an Neuerungen erwartet werden.

Die Befreiung zu bekommen war dann auch nicht einfach, da beim Grundstück und dessen eingetragenen Lasten drei verschiedene Gesellschafften im Boot sind und zu Anfang völlig unklar war, wer eigentlich eine Ausnahme bewilligen darf. Nach mehreren Telefonaten und Rückrufen hat es dann aber doch geklappt den Verantwortlichen herauszufinden. Hier konnte dann auch sehr schnell eine Lösung gefunden werden.

Bei der Hausanbieterwahl spielte dieses Thema dann auch eine übergeordnete Rolle. Da auch einige Fertighaushersteller explizit mit dem Label „Plus-Energie-Haus“ warben, waren wir nachträglich doch sehr überrascht, dass viele dieser Anbieter sich mit den genauen Vorgaben der bisherigen Modellprojekte gar nicht so genau auseinandergesetzt hatten und aufgrund der fehlenden gesetzlich festgeschriebenen Vorgaben auch erstmal jeder dieses Label vergeben kann, ohne z.B. den Anforderungen der Modellprojekte zu genügen. In einigen Fällen wurde z.B. auf die pauschalen 2500 kWh verzichtet und nur die Menge für Heizung & Warmwasser gegengerechnet.

Bei Bittermann & Weiss bekamen wir dann auch die entsprechende Unterstützung, auch wenn für Sie insbesondere die Berechnungsmethoden Neuland waren.

Die abschließende Befreiung bekommen wir jetzt tatsächlich erst bei Bau-Fertigstellung, wenn nachgewiesen wurde, dass das Bauvorhaben auch wie geplant umgesetzt wurde.

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